Der Alpenwall in Südtirol

 

Sperrgruppe Cima Banche

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Die Talstrecke vom Pustertal durch das Höhlensteintal teilt sich bei Schluderbach auf: Ein Zweig führt über den 1530 m hohen Pass Gemärk (Cima Banche) nach Cortina d’Ampezzo, der andere wählt den Weg über den 1809 m hohen Passo Tre Croci. Beide Pässe lagen vor 1919 in Südtirol, heute gehört der Passo Tre Croce zur Provinz Belluno, während Cima Banche die Provinzgrenze zwischen Südtirol und Belluno bildet. An dieser Stelle wurde 1940 eine Sperrgruppe errichtet, deren Rückgrat ein 900 m langer Panzergraben bildete. Der Graben begann am Fuße des 2445 m hohen Il Forane, schnitt die ehemalige Eisenbahnlinie von Toblach nach Cortina und zog sich dann in nordwestliche Richtung einer ausgedehnten Mure entlang, um am Fuß des Col Fiedo zu enden. Wie üblich vollzog das Hindernis etwa in der Mitte einen leichten Knick, damit die flankierenden Werke sich nicht versehentlich gegenseitig mit ihren Panzerabwehrkanonen beschießen konnten. Heute ist dieser Panzergraben über weite Strecken von der Mure verschüttet und nur stellenweise zu erkennen.


Blick von der PAK-Scharte vom Werk Nr. 3 durch den Panzergraben auf den Schuttstrom von Cima Banche. Der Graben knickt etwa in der Bildmitte nach rechts ab, er ist heute fast vollständig mit Geröll gefüllt.

Sechs Infanteriewerke wurden fertig gestellt, vier davon als Kavernenwerke in den Felsflanken links und rechts der Passhöhe. Die Anlagen sind vergleichsweise weit fertig gestellt worden. So sind hier heute noch die Lüftungsanlagen mit der vollständigen Verrohrung zu finden, auch wurden die inneren Kasernenräume mit Eisenbetten ausgestattet. Vereinzelt sind noch heute Teile der MG-Lafetten an ihren Frontpanzerungen vorhanden.


Eine vollständig erhaltene Mannschaftsunterkunft mit Betten für 90 Mann und den Lüftungsrohren von 1940. Die Betten wurden tagsüber nach oben geschoben, um den Mannschaften in dieser drangvollen Enge etwas mehr Bewegungsfreiheit zu geben.

Da die Sperrgruppe nach 1945 nicht weiter vom Militär genutzt wurde, befindet sie sich heute noch weitgehend im Zustand von 1941, als die Bauarbeiten eingestellt wurden. Die Tarnung wurde jedoch nur notdürftig vollendet: Zwar wurden die Scharten mit Tarnblenden zugehängt, die nackten Betonwände wurden jedoch nur mit Tarnfarbe kaschiert, so dass sie ihre glatten Formen heute leicht im Gelände verraten. Besonders eigenwillig ist die Tarnung des Werks Nr. 4, dass mitten im flachen Geröllfeld der Mure nur schwer zu verstecken war. Zur Straße hin wurde hier die Fassade eines Hauses errichtet. Die Fensterrahmen aus Holz sowie die Schornsteinattrappen wurden dabei nicht vergessen. Um diesen Bunker herum findet man heute die Fundamente von fünf weiteren Gebäuden, die möglicherweise nur leichte Baracken tragen sollten, um den Bunker in einer Gruppe von weiteren Gebäuden verschwinden zu lassen.


Dieser Kampfstand für eines der vier Maschinengewehre des Werks Nr. 6 wurde 1941 nicht mehr fertig gestellt. Die flüchtige Camouflage-Bemalung reicht nicht aus, die charakteristischen Formen im Felsen zu verbergen.


Die falschen Läden vor den Fensterattrappen sind noch an ihrem Platz. Würde die Tarnblende noch vor der MG-Scharte hängen, wäre Werk Nr. 4 von weitem nur noch schwer zu erkennen.

Vor dem Bunker Nr. 3, der mit seiner PAK den nördlichen Grabenast bestreichen sollte, mussten die Erbauer des Vallo Alpino das Kunststück vollbringen, einen Gebirgsbach über den Panzergraben zu leiten. In den Nähe von Werk Nr. 3 deutet eine Kaverne im Fels an, dass hier möglicherweise ein Artilleriewerk zur Bestreichung des Tals bis zum Monte Piana hin entstehen sollte. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Planer dieser Sperre die Niederlage von mindestens sechs vorangegangenen Sperrgruppen im Pustertal und im Höhlensteintal praktisch fest einkalkuliert hatten! Bei einer etwaigen Besichtigung des Geländes sollte allerdings darauf geachtet werden, dass sich in diesem Gebiet zahlreiche Kavernenanlagen aus dem Ersten Weltkrieg befinden, die den Betrachter leicht zu Verwechslungen verleiten könnten.


Lageskizze der Sperrgruppe Cima Banche. Die Pfeile deuten die Anzahl und die Schussrichtung der Waffen an. Parallel zur Staatsstraße verlief bis in die 1960er Jahre eine Eisenbahnlinie. Die Nummerierung der Werke hat keine historische Bedeutung.

Sperrgruppe Passo Tre Croci

 

 

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